Walder Stadion
Jahnkampfbahn
Solingen

Sportliche Höhepunkte

Leichtathletik

Beliebte Wettkampfstätte

Die Jahnkampfbahn erlebte zahllose leichtathletische Wettkämpfe bei internationalen Sportfesten, Gaumeisterschaften, Bergischen Meisterschaften, Kreisturnfesten, Solinger Kampfspielen, Kreis- und Stadtmeisterschaften.

Heute ist sie beliebter Austragungsort der Bundesjugendspiele zahlreicher Schulen und von Lauftreffs verschiedener Vereine.

Bei der Einweihung 1928 fungierte der Weltrekordler im 1500-m-Lauf Dr. Otto Peltzer als Starter und Kampfrichter. Er hatte Tipps zum Bau der Anlage gegeben.

Die Ära der internationalen Sportfeste des SLC

Berühmte Namen wie Emil Zatopek, Herbert Schade, Klaus Lehnertz, Willi Holdorf, Jutta Heine, Fanny Blankers-Koen u.v.a. starteten in der Jahnkampfbahn.

Risiko
Der 1951 gegründete Solinger Leichtathletik Club (SLC) wagte es, nach den Olympischen Spielen von Helsinki ein großes finanzielles Risiko einzugehen und Spitzensportler sowie Mannschaften aus aller Welt in die Jahnkampfbahn einzuladen.

1952 begrüßten 11 000 begeisterte Zuschauer den Solinger Bronzemedaillengewinner von Helsinki Herbert Schade und viele internationale Sportler, die auf Anregung von Schade und dem SLC-Vorsitzenden und späteren Bundespräsidenten Walter Scheel nach Wald gekommen waren.

Das Publikum feierte die US-Olympiasieger Bob Mathias (Zehnkampf), Walter Davis (Hochsprung) und die 4 x 100-m-Weltrekordstaffel der Frauen.
US-Sprinter James Gathers (Bronze in Helsinki) lief die 100 m in 10,4 Sek., eine Zeit, die bis heute Stadionrekord bedeutet und nur noch von Weltrekordler Harry Jerome (Kanada) 1961 in der Jahnkampfbahn erreicht wurde. Auch die 200 m legte Gathers in hervorragenden 21,3 Sek. zurück, die nach ihm kein Läufer mehr in der Jahnkampfbahn unterbieten konnte.

  • Catherine Hardy siegte bei den Frauen in 11,8 Sek. (wahrscheinlich bis heute auch Stadionrekord) vor Maria Sander-Domagalla aus Dinslaken (Silber und Bronze in Helsinki) in 11,9 Sek..
  • Hans Geister (Bronze in der 4 x 400-m-Staffel) erzielte über 100 m 10,5 und über 400 m 49,0 Sek.
  • Heinz Klophaus (Deutscher Meister im Weitsprung vom TV Ohligs 88) sprang 7,21 m weit und wäre damit in Helsinki 5. geworden
  • Im 1500-m-Lauf siegte Rolf Lamers (6. von Helsinki) vor dem Deutschen Meister Helmut Gude in 3:58,2 Min.
  • Den 5000-m-Lauf gewann überlegen Herbert Schade in 14:24,6 Min
  • Aus Solingen starteten noch Ingeborg Broch, Friedhelm Bongard, Karl-Wilhelm Kesseler, Günther Steigerwald (alle SLC), Dietmar Burkatzki und Karl Schlauß (beide WMTV Solingen 1861).

Ehrengaben
Walter Scheel hatte es sich nicht nehmen lassen, an die Sieger Geschenke zu verteilen. Typische Solinger Gaben waren natürlich Messer, Rasierklingen und Schirme, aber auch Uhren, Schuhe, Pokale und für Sander-Domagalla eine Steppdecke (!).

Sechs-Nationen-Kampf

Anfang August 1953 reisten Amerikaner, Japaner, Jugoslawen, Engländer, Niederländer und deutsche Athleten ins voll besetzte Walder Stadion an.

  • Der Jugoslawe Milan Milakov stellte im Stabhochsprung mit 4,28 m einen neuen Landesrekord auf.
  • Hochspringer Ken Wiesner (Silber in Helsinki) überquerte locker die Höhe von 1,96 m, Ellis gewann das Diskuswerfen mit 49,40 m vor Parry O´Brien (Olympiasieger im Kugelstoßen 1952 und 1956).
  • Fanny Blankers-Koen, "die fliegende Hausfrau" aus den Niederlanden und vierfache Olympiasiegerin von London 1948, siegte im Hürdenlauf und über die 100 m in 11,9 Sek.
  • Die Deutsche Meisterin im Diskuswerfen, Marianne Werner, steigerte sich zur Jahresbestleistung von 47,56 m.
  • Lokalmatador Herbert Schade war im 3.000-m-Lauf auf dem Weg zu einer neuen Bestleistung, als er, durch eine falsche Ansage irritiert, das Rennen eine Runde zu früh beendete.

Licht brachte die Feuerwehr

9.000 Zuschauer füllten im September 1954 die Jahnkampfbahn. Da der Strom ausgefallen war, fanden Begrüßung und Wettkämpfe in einem geheimnisvollen Dunkel statt, bis ein Motorrad die Weitsprunggrube erhellte und die Feuerwehr mit Scheinwerfern aushalf.

Unter den Topathleten befanden sich Gaston Reiff (Olympiasieger von 1948 ), der den 5.000-m-Lauf vor Heinz Laufer und Herbert Schade gewann, Soini Nikkinen (finn. Rekordhalter im Speerwerfen), Heinz Fütterer (Europameister im Sprint) und Sprinter Manfred Germar (beide Bronze in Melbourne), Bert Steines (Hürden) und Helmuth Thumm (Hindernis).

  • Im 400-m-Lauf siegte wie gewohnt Hans Geister.
  • Über 1500 m machte Friedel Stracke vom Barmer TV in 3:58,0 Min. auf sich aufmerksam.
  • Bei den Frauen beherrschte Maria Sander-Domagala die Kurzstrecken vor Fanny Blankers-Koen.
  • Auffallend ein Mann in roter Jacke: Starter Buthe-Pieper aus Bochum.

Vierstädtekampf

Die Städte Brüssel, Mönchengladbach, Wuppertal und Solingen traten 1956 zu einem leichtathletischen Wettkampf in Wald an. Unter den Olympiateilnehmern Gaston Reiff, Werner Lueg und Herbert Schade befand sich auch der Solinger Nachwuchs vom OTV, SLC und WMTV 1861.

Die Zatopeks

Dana und Emil Zatopek lösten 1957 ihr Herbert Schade gegebenes Versprechen ein, im Walder Stadion zu starten. Dana hatte im Speerwerfen 1952 in Helsinki gesiegt, Emil fügte seiner Goldmedaille von London noch drei weitere 1952 im Langstreckenlauf hinzu. 18 Weltrekorde hatte er aufgestellt.

Die Zatopeks blieben bis zu Emils Tod im November 2000 eng mit den Solinger und Wuppertaler Sportlern verbunden. Ein weiterer Freund Schades, der tschechische Europameister im Kugelstoßen Jiri Skobla, trat ebenfalls in der Jahnkampfbahn an.

DDR-Sportler starteten

Dem SLC war es gelungen, 1961 - 5 Wochen vor dem Mauerbau - noch Spitzenathleten aus Ostberlin in die ausverkaufte Jahnkampfbahn zu verpflichten.

  • Die Inhaberin des Weltrekords und Bronzemedaillengewinnerin über 80 m Hürden in Rom, Gisela Birkemeyer (Dynamo Berlin), siegte in 11,0 Sek. in ihrer Spezialdisziplin.
  • Hans Grodotzki vom ASK Vorwärts Berlin (Silber über 5000 und 10000 m in Rom) gewann den 1500-m-Lauf in 3:45,4 Min.
  • Harry Jerome (Kanada), mit Armin Hary Weltrekordinhaber über 100 m in 10,0 Sek., lief 10,4 Sek. über 100 m.
  • Den 200-m-Lauf beendete Manfred Germar in 21,6 Sek. als Sieger, den 400-m-Lauf Manfred Kinder (Staffelsilber 1960) in 47,6 Sek.
  • Kazimierz Zimny aus Polen (Bronze in Rom) erreichte über 5000 m Jahresweltbestzeit in 13:49,6 Min.
  • In seinem Schatten lief der Solinger Horst Flosbach nur 3 Sekunden langsamer, so schnell wie noch nie ein DLV-Läufer zuvor.
  • In Zimnys Mannschaft befand sich auch Janusz Sidlo, der in Melbourne 1956 Olympiazweiter im Speerwerfen geworden war. In Wald schleuderte er den Speer 78,50 m weit - Stadionrekord.

Das letzte Internationale im Walder Stadion

Wieder war es dem SLC gelungen, im Juli 1965 Olympiateilnehmer nach Wald einzuladen: Sprinterin Jutta Heine (zweimal Silber in Rom 1960), Zehnkampf-Olympiasieger Willi Holdorf (1964), Doppel-Olympiasieger im Dreisprung Josef Schmidt aus Polen, die 400-m-Läufer Manfred Kinder und Carl Kaufmann (beide Silber in Rom) und die Stabhochspringer Wolfgang Reinhardt und Klaus Lehnertz (Silber und Bronze in Tokio 1964).

Es gab wieder ausgezeichnete Leistungen.
So siegte Josef Schmidt im Weitsprung mit 7,42 m, der Pole Andrzej Badenski im 400-m-Lauf vor Manfred Kinder in 46,8 Sek. und die genannten Stabhochspringer schafften beide 4,80 m.

Das Stadion erlebte auch die Premiere eines Laufes, der heute aus der Leichtathletik nicht mehr wegzudenken ist.
Erstmals wurde in Deutschland ein 1500-m-Lauf für Frauen angeboten. Ellen Wessinghage gehörte zu den ersten und besten Teilnehmerinnen.

50 Jahre Jahnkampfbahn

Unter Herbert Schades Federführung traf sich 1978 die ehemalige Langstrecklerelite zu einem Wiedersehen im Stadion. Vor voll besetzten Rängen liefen Walter Konrad, Herbert Schade, Ludwig Müller, Xaver Höger, Emil Zatopek, Horst Flosbach, Heinz Ulzheimer, Gaston Reiff, Alfred Kleefeld eine Ehrenrunde.

Bei den Wettkämpfen der Aktiven siegte die Deutsche Meisterin Gisela Klein-Ellenberger im 800-m-Lauf, während im 3000-m-Lauf der Männer Wolf-Dieter Poschmann, heute Sportchef des ZDF, gewann.

Dieser schrieb 1996 an den Förderkreis Jahnkampfbahn: "So war dieses Rennen in Solingen...eines der letzten auf Asche. Dass ich gewonnen habe, ist mir weniger in Erinnerung als die großen Namen, die dann zum ´Oldtimer-Rennen´ antraten: Emil Zatopek, Herbert Schade, Ludwig Müller...Namen, die ich in Artikeln gelesen hatte, Namen, von denen mir andere erzählt hatten, bekamen plötzlich ein Gesicht."

Kunststoff besiegt Asche

Rings um Solingen wurden überall Wettkampfarenen mit Kunststoffbelag gebaut.
Athleten und Veranstalter bevorzugten nun schnelle und wetterunabhängige Bahnen, sodass die Solinger Stadien nicht mehr gefragt waren.